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Urige Zeiten
» Der Weg des Menschen« |
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Religion gegen Naturwissenschaft
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Wir heutigen
Menschen leben
eigentlich - wie man
so schön sagt - im
"Hier
und Jetzt". Über
unsere Geschichte
denken wir
allenfalls in der
Schule nach und
haben daraus
offenbar auch nicht
allzu viel gelernt.
Kriegerische
Auseinandersetzungen
in aller Welt
beweisen das
täglich. Unsere
Zukunft scheint uns
ebenfalls nicht
besonders zu
bekümmern, sonst
würden wir mit
unserem Lebensraum
Erde anders umgehen.
Vergangenes
interessiert uns
erst dann, wenn für
unsere
medienorientierte
Gesellschaft eine
Sensation
herausspringt.
Hunderttausende
sahen spektakuläre
Ausstellungen über
Tut-ench-Amun, die
chinesische
Reiterarmee oder die
Dinosaurier. Da
überrollt uns die
Geschichte wie ein
Hollywood-Film,
handlich und in
Portionen
verabreicht. Auch
ein Bronzezeit-Mann,
der plötzlich aus
dem Gletschereis
auftaucht, kann uns
noch locken. Doch
mit uns selbst hat
das alles wenig zu
tun. Oder doch?
Mir jedenfalls geht
es so, dass der
Blick auf eine
dreitausendjährige
Mumie Fragen
aufwirft, die sich
mir anders
vielleicht nicht
gestellt hätten. Was
ist der Mensch,
woher kommt er? Was
ist Leben, was
Vergänglichkeit?
Welche Bedeutung hat
die Dimension Zeit
dafür?
Für die Religion
lösen sich derlei
Probleme einfach.
Zeiträume haben im
wahrsten Sinne des
Wortes biblische
Ausmaße. Die
Vergangenheit des
Menschen lässt sich
anhand der Bibel,
nimmt man sie
wörtlich, fast
minutiös bis zum
Schöpfungstag
zurückverfolgen, der
etwa im Jahre 4006 -
traut man biblischen
Angaben - vor
unserer Zeitrechnung
gewesen sein mag.
Der Mensch lief
sozusagen von Null
zu seiner heutigen
Form auf. Dagegen
steht die moderne
Naturwissenschaft.
Sie forscht und
denkt in ganz
anderen Zeiträumen.
Und sie ist fern von
religiösen Fragen,
wenngleich der
Glaube - besser: das
Wunschdenken - doch
mitunter manchem
Forscher denn
rechten Blick
verstellt.
Wissenschaftliches
Arbeiten erfordert
zwar durchaus das
Aufstellen von
Annahmen und
Theorien, aber diese
werden - so sie sich nicht verifizieren lassen - durch neue, schlüssigere
ersetzt. Ein solches
Verfahren macht den
wissenschaftlichen
Fortschritt erst
möglich, weil es
niemals stagniert
und niemals
Absolutheitsanspruch
erhebt.
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Charles Darwin
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Entscheidenden
Anteil am Wandel des
wissenschaftlichen
Denkens, das bis
Mitte des 19.
Jahrhunderts noch
von eher kirchlichen
Fixierungen geprägt
war, hatte der
Naturforscher
Charles Darwin
(1809-1882).
Jahrelang war er
durch die Welt
gereist, forschte
unter anderem in
Südamerika, auf den
Galapagos-Inseln und
in Australien.
Während seiner
Reisen machte er
Aufzeichnungen über
das Verhalten von
Tieren derselben Art
und ihrer
Unterscheidung
voneinander durch
die enge Einwirkung
ihres Lebensraumes
auf ihre
Fortentwicklung. Im
Jahre 1859 erschien
sein Buch "Vom
Ursprung der Arten",
das großes Aufsehen
und erbitterten
Widerspruch erregte.
Er stellte darin die
Theorie auf, dass
unter den Lebewesen
eine natürliche
Auslese stattfindet
(Selektionstheorie).
Tiere mit besonders
stark ausgeprägten
Eigenschaften setzen
sich beim Kampf ums
Dasein innerhalb
ihrer Art durch, es
findet eine
natürliche Zuchtwahl
statt. Darwin war
damit der Erste, der
die ständige
Veränderung der
Arten und das
Fortschreiten der
Evolution annahm.
Ganz nebenbei
erwähnte er, dass
auch die Anfänge der
Menschheit durch
seine Theorie anders
als bisher gesehen
werden könnten. Nun
aber war der Mensch
genau den Gesetzen
der Evolution
unterworfen, die für
jeden Käfer und jede
Made galten.
Seine Kritiker - und
das waren zu jener
Zeit
erstaunlicherweise
nicht in erster
Linie die Kirche,
sondern seine
Forscherkollegen -
setzten dies in eine
grobe Vereinfachung
um, indem sie ihm
den Satz "Der Mensch
stammt vom Affen ab"
unterschoben. Und
auch spätere
Rassenfanatiker wie
die
Nationalsozialisten
bedienten sich gern
der Verdrehung der
Darwin'schen Lehre,
indem sie sich
selbst als "starke
Rasse" und die Juden
als "niedere Rasse"
einstuften und damit
eines der
schändlichsten
Verbrechen der
Menschheit
einleiteten. Das
aber hat mit Darwin
nichts zu tun.
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Krone der Schöpfung?
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Heute muss man
sagen, dass Darwin
das Wesen der
Evolution erkannt
hat. Auslese und
Spezialisierung sind
überall in der Natur
zu beobachten. Auch
die von Mendel
später aufgestellte
Vererbungslehre
unterstützt die
Darwin'schen Thesen
nachhaltig. Im Jahre
1871 erschien
Darwins Werk "Die
Abstammung des
Menschen". Darin
beschrieb er - das
zeigen neueste
Forschungsergebnisse
- den evolutionären
Wandel vom
Menschenaffen zum
Menschen doch allzu
gradlinig, den
Menschen von
Anbeginn seines
Seins vom tierischen
Ursprung abhebend.
Das "Menschliche an
sich" aber ist das
Ergebnis
allerkleinster
Entwicklungsschritte
und lässt sich weder
räumlich noch
zeitlich genau
lokalisieren. Der
amerikanische
Paläontologe
Stephen Jay Gould
möchte sogar die
vertrauten
Vorstellungen von
einer aufwärts
strebenden und im
Menschen gipfelnden
Lebensentwicklung
über Bord werfen.
Für ihn ist die
Evolution vom Zufall
gesteuert, Sprünge
eingeschlossen. Das
Abenteuer Leben
gleicht einem Spiel
mit 1024 Würfeln mit
dem wenig
wahrscheinlichen
Ergebnis Mensch.
Viele Arten haben,
so Gould, durch
plötzliche
Ereignisse gar nicht
erst ihre Chance
erhalten, sich
entwickeln zu
können. Damit wäre
aber auch Darwins
These der
fortwährenden
Evolution durch
Auslese überholt.
Immerhin ist es aber
vorbei mit dem
menschlichen
Anspruch, "Krone der
Schöpfung" zu sein.
Der Mensch ist ein
Produkt der Natur
und das Ergebnis
eines Vorganges, der
vor Jahrmilliarden
die richtigen
Aminosäuren in der
richtigen
Zusammensetzung zum
Phänomen "Leben"
zusammenführte. Wenn
man so will, ist
dies der eigentliche
Schöpfungsvorgang.
Möglicherweise ein
Ereignis, das im
gesamten Kosmos
einmalig ist, weil
es nur so und nur
unter den gerade
hier auf der Erde
herrschenden
Bedingungen
stattfinden konnte.
Möglicherweise aber
ein Ereignis, das
sich milliardenfach
in fernen Galaxien
wiederholt hat oder
noch wiederholt.
Vielleicht machen
diese beiden
Möglichkeiten das
große Geheimnis des
Menschseins aus, das
wir niemals
ergründen können.
Ganz klar ist, dass
wir Menschen den
gleichen
Evolutionsprozessen
und -mechanismen
unterworfen sind wie
alle Pflanzen und
Tiere unseres
Planeten. Aber es
scheint ungleich
schwieriger, ins
Dunkel unserer
eigenen
Vergangenheit
hinabzutauchen als
in die anderer
Spezies. Liegt es
daran, dass wir uns
selbst gegenüber
nicht objektiv genug
sind und in all
unseren forschenden
Gedanken sogleich
auch Wertungen und
Wünsche
mitschwingen? Zu oft
hat sich in der
Paläoanthropologie
der letzten 50 Jahre
herausgestellt, dass
das Bild, das man
gerne von der
Abstammung des
Menschen gehabt
hätte, sich sehr
schnell
verflüchtigte, weil
es sich durch neuere
archäologische Funde
nicht aufrecht
erhalten ließ.
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The Missing Link
top
Eindeutig ist: Der
Mensch stammt nicht
in direkter Linie
vom Affen ab. Aber
die Affen sind
unsere Vettern,
wobei uns die
Menschenaffen noch
ein wenig näher
stehen. Mensch und
Affe haben einen
gemeinsamen
Vorfahren, der noch
im Dunkel der
Urgeschichte
verborgen ist,
dessen Umrisse sich
aber schon im Licht
neuerer Forschung
ein wenig
abzeichnen. Wie sehr
die
Entwicklungslinien
der beiden Arten
einander ähneln,
wird in den nächsten
Kapiteln noch
anschaulich werden.
Deutlich jedoch muss
darauf hingewiesen
werden, dass trotz
aller Erkenntnisse
das Wissen um den
Ursprung der
Menschheit immer
noch recht
bruchstückhaft ist
und überwiegend aus
einem - zwar
wohlbegründeten,
aber theoretischen -
Gedankengebäude
besteht. Zu
entdecken wäre immer
noch "The Missing
Link", das fehlende
Bindeglied. Schon
morgen kann ein
neuer Fund die
Paläoanthropologen
zu völlig neuen
Aussagen zwingen. Es
wäre nicht das erste
Mal.
So wurde im Juli
2001 in der
Djurab-Wüste im
Norden des Tschad
ein gut erhaltener
Schädel gefunden,
dessen Alter bei
sechs bis sieben
Millionen Jahren
liegt. Das Fundstück
weist eine Mischung
von primitiven und
modernen Merkmalen
auf, die darauf hin
deuten, dass hier
entwicklungsgeschichtlich
der Weg des Affen in
Richtung Mensch
verlassen wurde. Ist
das "The Missing
Link"? Jedenfalls
ist dieses Wesen
doppelt so alt wie
"Lucy" (siehe
unten). Offenbar
sind die Formen und
Ursprünge der
Vormenschen
differenzierter als
bisher angenommen.
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Fälschung
top
Das Bild der
Menschenforschung
hat sich in den
letzten Jahrzehnten
gewaltig gewandelt.
Vielfach begegneten
frühere "Forscher"
eher zufällig
fossilen Überresten
unserer Vorfahren
und gingen damit
auch mehr oder
weniger zufällig um.
So etwa der
Düsseldorfer
Gymnasialprofessor
Fuhlrott, der
1856 die richtige
Einsicht hatte, dass
es sich bei den im
Neandertal
ausgegrabenen
Knochen um
frühmenschliche
Exemplare handelte,
nämlich die des
Neandertalers. Oder
der Holländer
Eugène Dubois,
Paläontologe von
eigenen Gnaden, der
sich, einer Ahnung
folgend, 1891 nach
Java aufmachte und
dort prompt den
Affenmenschen aus
Java entdeckte,
später als Homo
erectus erectus
klassifiziert.
Diese
Forschungsversuche
und -ergebnisse
waren alle noch
wenig systematisch.
Die Einschätzung der
Funde war sehr oft
vom Wunschdenken und
dem jeweiligen
Weltbild des
Entdeckers geprägt.
Ziel war es
entweder, das
mystische Bindeglied
der Evolution vom
Affen zum Menschen
zu finden, oder aber
- je nach Ansicht -
zu beweisen, dass
die Entwicklung des
Homo doch
einzigartig war.
Ein besonders
erstaunliches
Beispiel ist der so
genannte
"Piltdown-Mensch",
benannt nach seinem
Fundort, jener
Schädel, den der
Hobbyforscher
Charles Dawson
1912 in einer
englischen Kiesgrube
fand. Mehrere
angesehene
Wissenschaftler
überprüften den Fund
und schätzten sein
Alter auf mehrere
Hunderttausend
Jahre.
Jahrzehntelang galt
der Piltdown als
"englischer
Urmensch". Erst in
den Fünfzigerjahren
wurde klar
festgestellt, dass
der Schädel ca. 500
Jahre alt und
offensichtlich
künstlich gealtert
worden war. Ein
glatter Betrug also.
Wer war dafür
verantwortlich? Der
Entdecker vermutlich
nicht, aber genau
weiß man es bis
heute nicht. Man
wundert sich aber
dennoch, wie es
möglich war, dass
berühmte Kapazitäten
sich derart hinters
Licht führen ließen.
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Dart und Broom
top
Eine weitere
wichtige, aber immer
noch relativ
unsystematische
Station der
Menschenforschung
ist das von
Raymond Dart
1924 entdeckte "Kind
von Taung", der
erste
Australopithecus
africanus, der
entdeckt wurde. Die
entsprechende
Fortsetzung war der
Australopithecus
robustus, den
Robert Broom
1938 fand.
Alle Forscher hatten
bis dahin die
Neigung, eigene
Gattungs- oder
Artennamen für die
Fossilien zu wählen
und insbesondere
eine eigene Theorie
der Artenentwicklung
aufzustellen.
Heutige Forschung
baut diese Vielfalt
zu Gunsten von mehr
Klarheit deutlich
ab. Wenn man etwa
den von Sir
Arthur Keith
1931 entworfenen
Stammbaum der
Primatenentwicklung
mit jenem von
David Pilbeam
aus dem Jahre 1979
vergleicht, so wird
klar, dass 1931 die
Forschung doch
weitgehend im
Dunkeln tappte. Es
gab damals noch
wenig
Fossilienfunde, die
modernen
Datierungsmethoden
standen nicht zur
Verfügung und die
Bereitschaft zu
neuen Denkansätzen
war kaum vorhanden.
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Das Leakey-Team
top
Erst in den letzten
dreißig Jahren ist
Bewegung entstanden.
In der Hauptsache
ist dies zwei
Forschungsteams zu
verdanken, denn die
moderne
Paläoanthropologie
ist nicht die Sache
von Einzelkämpfern,
sondern von
Wissenschaftlern der
verschiedensten
Disziplinen, die
einander zuarbeiten.
Da wäre zunächst die
Gruppe um Louis
Leakey, 1903 in
Kenia geboren, der
schon in den
Dreißigerjahren am
Viktoriasee und in
der Olduvai-Schlucht
in Tansania Jagd auf
Fossilien machte.
Auch seine zweite
Frau Mary
teilte seine Passion
und entwickelte sich
zur Expertin für die
Steinwerkzeugkultur
jener Gegend. Nach
dem Tode Louis
Leakeys traten Mary
und sein Sohn
Richard das Erbe
an.
Der berühmteste Fund
von Louis Leakey war
wohl "Zinj", den
aber eigentlich Mary
gefunden hatte. Er
glaubte, damit
endlich den alten
Homo gefunden zu
haben, denn mit
diesem Begriff war
er bei jedem Fund
schnell zur Hand.
Die These der
Leakeys war es, dass
sich der Homo als
eigenständige Linie
unabhängig von den
übrigen Hominiden
entwickelt habe und
es daher irgendwann
ein sehr altes
Homo-Fossil geben
müsse. Leider aber
war "Zinj" nicht der
gesuchte Homo,
sondern ein aufrecht
gehender
Australopithecus,
eine Bezeichnung,
die den Leakeys
zutiefst zuwider
war.
Diese Beharren des
Leakey-Clans auf
einmal gefassten
Thesen machte später
auch Richard Leakey
sehr zu schaffen und
führte zu einem
regelrechten
Forscherstreit, der
Richards Ruf ein
wenig beschädigte.
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Das Johanson-Team
top
Dieser Streit bringt
die zweite heute
bedeutende
Forschergruppe ins
Spiel. Das ist das
Team um den
amerikanischen
Anthropologen Dr.
Donald Johanson.
Als Louis Leakey
"Zinj" fand,
besuchte Johanson
noch die Oberschule.
Von den Berichten
über die Funde
fasziniert, schlug
auch er den Weg des
Anthropologen ein.
Seine Stunde schlug,
als er 1974, noch
als relativ junger
und unbekannter
Wissenschaftler, an
einer Expedition in
der Afar-Region in
Äthiopien teilnahm.
Dort entdeckte er
"Lucy", das Skelett
eines 3,5 Millionen
Jahre alten,
aufrecht gehenden
hominiden Wesens. Es
war eine
wissenschaftliche
Sensation, als er
diesen Fund nach
langer Auswertung im
Jahre 1978
dokumentierte.
Zu dieser Zeit war
Johanson noch mit
Mary und Richard
Leakey befreundet
und suchte ihren Rat
und ihre Meinung.
Als er bald nach dem
Fund von "Lucy"
jedoch eine eigene
Entwicklungslinie
der Hominiden
vorstellte, die auf
"Lucy", also
Australopithecus
afarensis, basierte,
fühlten sich die
Leakeys wohl in
ihrer Forscherehre
angegriffen, da sie
einen
Australopithecus
nicht als Vorläufer
des Homo ansehen
wollten. Ein
Forscher aus dem
Leakey-Team, Tim
White, schlug
sich nach einer
Auseinandersetzung
mit Richard Leakey
auf die Seite von
Johanson.
Es ging dabei um die
Datierung eines
Fundes von 1972, den
Richard bei Koobi
Fora am Turkana-See
im Norden Kenias
machte. Das Alter
datierte er auf 2,9
Millionen Jahre.
Natürlich
bezeichnete er den
Fund als Homo, und
tatsächlich konnte
auch jeder sehen,
dass dieser Schädel,
genannt "1470", ein
Homo war. Eine neue
Sensation?
Tim White stellte
eigene
Untersuchungen an,
die die Datierung in
Frage stellten.
Aufgrund anderer
Säugetierfossilien
derselben Schicht,
in der Richard
Leakey den "1470"
gefunden hatte,
kamen White und auch
andere
Wissenschaftler zu
der Auffassung, dass
die Datierung falsch
sei und bei 1,8
Millionen Jahren
liegen müsse. Als
White dieses
Ergebnis
veröffentlichen
wollte, sprach
Leakey seinem
Team-Mitglied sein
Missfallen aus. Das
war der Bruch. White
veröffentliche
dennoch und schloss
sich Johanson an. Er
wurde ein wichtiges
Mitglied des Teams.
Johanson und White
riefen gemeinsam den
Begriff
Australopithecus
afarensis ins Leben.
Johanson forschte
hauptsächlich in
Äthiopien am Omo und
im Afar-Gebiet. In
den Achtzigerjahren
war dies aufgrund
der politischen Lage
nicht mehr möglich.
1985 ging er
schließlich zu einer
neuen
Grabungskampagne in
das "Hoheitsgebiet"
der Leakeys in die
Olduvai-Schlucht.
Dies war aber
tatsächlich wohl
erst möglich,
nachdem sich Mary
zur Ruhe gesetzt
hatte. In der
Olduvai-Schlucht
machte Johanson
erneut erstaunliche
Funde, die ihn
zwangen, seine
ursprüngliche
Ordnung der
Australopithecinen
zu überdenken.
Die
Forschungsmethoden
Johansons zeichnen
sich dadurch aus,
dass er möglichst
viele
Wissenschaftler und
ihre Meinungen in
seine
Erkenntnisgewinnung
einbindet. Auch die
in seinem Institut
aufgestellten
Untersuchungsreihen
sind sehr aufwändig.
So wurden zur
Untermauerung der
Australopithecinen-These
Hunderte von
Primatengebissen,
-knochen und
-schädel und alle
erreichbaren
Fossilienentsprechungen
miteinander
verglichen.
Die hier auf diesen
Seiten dargestellte
Hominidenentwicklung
baut auf den
Erkenntnissen
Johansons und auf
jenen der modernen
Primatenforschung
auf. Johansons
Modelle erscheinen
schlüssig, zumal er
zuallerst bereit
ist, eine These
umzustoßen, wenn
eine bessere in
Sicht ist. Denn
eines muss immer
wieder deutlich
gesagt werden: Die
Paläoanthropologie
geht je mehr von
Annahmen aus, je
weiter sie in die
Vergangenheit
zurückblickt. Diese
Annahmen stützen
sich zwar auf
methodisch
gesicherte
Ergebnisse moderner
Forschung, die in
einen - für uns -
logischen
Zusammenhang
gestellt werden.
Aber wer weiß schon,
was zukünftig noch
entdeckt wird und
wie das Bild dann
aussieht?
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Katastrophe
top
Wenn man so will,
verdanken wir
Menschen unsere
Existenz einem
Ereignis, das nicht
weniger als 65
Millionen Jahre
zurückliegt. Zu
jener Zeit nämlich
verschwanden die
großen Saurier von
unserem Planeten.
Mit hoher
Wahrscheinlichkeit
ereignete sich vor
ca. 66 Millionen
Jahren eine
Katastrophe
kosmischen Ausmaßes.
Ein gigantischer
Komet kollidierte
mit der Erde im
Bereich des
Mexikanischen
Golfes. Geologen
konnten anhand von
Weltraumfotografien
die Kraterränder
nachweisen. Nach
einer
wissenschaftlichen
Annahme wurde dabei
der gesamte Erdball
beinahe aus den
Fugen gerissen. So
viel Staub soll
aufgewirbelt und in
der Erdatmosphäre
verteilt worden
sein, dass sich die
Sonne für lange Zeit
verdunkelte.
Pflanzen und Tiere
starben zu 70% aus,
unter ihnen die
Dinosaurier, die
wegen ihres hohen
Energiebedarfs nicht
überleben konnten.
Nur sehr kleine,
mausähnliche Arten
überstanden dieses
Inferno. Soweit die
Annahme.
Wenn es so gewesen
ist, dann war aber
der Weg frei für
einen neuen Anlauf
der Evolution. Denn
es ist zu vermuten,
dass die Saurier
keiner anderen Art
eine Chance gelassen
hätten. Immerhin
hatten sie schon 160
Millionen Jahre
überstanden, warum
also nicht auch noch
die "paar Jahre" bis
heute?
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Vorfahren der
Vorfahren
top
So waren dann auch
die Vorfahren der
Primaten kleine
Insekten fressende
Säugetiere wie wir
sie etwa als
Spitzmaus kennen.
Aus ihnen
entwickelten sich
die verschiedenen
Affenarten.
Interessant ist in
diesem Zusammenhang,
dass die Entwicklung
zunächst auf dem
Boden begann und
sich dann in den
Bäumen fortsetzte.
Aus den Altweltaffen
Afrikas und Asien
trennten sich vor
ungefähr 33
Millionen Jahren die
Hominoidae
ab. Der
Aegyptopithecus gilt
als Urvater (oder
Urmutter?) dieser
Linie. Es
entwickelten sich in
der Folge die
heutigen
Menschenaffen
(Gibbon und
Orang-Utan), aber
auch solche, die in
ihrem
Erscheinungsbild und
ihrem Verhalten
bereits Ansätze
hominider Formen
andeuteten. Merkmale
dafür zeigen sich in
Skelett- und
Gebissfossilien. Auf
der Bildfläche
erschienen Proconsul
und Dryopithecus.
Sie lebten vor 20
Millionen Jahren.
Mehrere Arten also
führten von den
Menschenaffen weg.
Lange Zeit galt der
Ramapithecus als
erster Hominide.
Der Ramapithecus
jedoch lebte, wie
man jetzt weiß,
lange vor der
Aufspaltung von
Hominidae und
Pongidae. Heute gilt
er als Vorfahre des
Orang-Utans.
So geht die Linie
womöglich vom
Dryopithecus weiter
in Richtung
Hominidae, zu
denen man nunmehr
auch Gorilla und
Schimpanse zählt.
Während sich der
Gorilla schon früh
abspaltete, muss die
gemeinsame Linie der
Schimpansen und der
menschlichen
Vorläufer weit
länger existiert
haben, als man
bisher annahm. Erst
etwa vor 8-5
Millionen Jahren
trennten sich die
Wege der beiden
Arten. An dieser
Stelle steht das
große Fragezeichen.
Denn es muss ja
zwangsläufig ein
Ereignis
stattgefunden haben,
das bestimmte
Individuen dazu
trieb, die Bäume für
immer zu verlassen
und sich, mehr oder
weniger aufrecht
gehend, in die
offene Savanne zu
wagen. Dazu können
stark veränderte
afrikanische
Umweltbedingungen
beigetragen haben,
wie es mehrmals im
Miozän (24-5 Mio.
Jahre) geschah. Das
diesen Vorgang
erklärende
Bindeglied fehlt
noch.
Sehr bald aber
tauchte
Australopithecus
afarensis
("Lucy") auf. Diese
Art hat eine
Schlüsselstellung
bei der Entwicklung
der verschiedenen
Australopithecinen,
die offenbar
zeitlich durchaus
nebeneinander gelebt
haben.
Australopithecus
africanus,
robustus,
aethiopicus und
boisei
verschwanden jedoch
aus der Geschichte.
Bleibt Homo
habilis. Die
große Frage bei ihm
ist, ob er der
Werkzeug
herstellende
Noch-Australopithecus
ist oder schon der
"geschickte Mensch",
der Homo. Die
Antwort ist
umstritten. So
fordern einige
Wissenschaftler eine
neue
Klassifizierung,
weil ihnen die
Merkmale des Homo
habilis nicht
menschlich genug
erscheinen. Für sie
wird diese Gattung
zum
Australopithecus
habilis.
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Endlich Mensch!
top
Beim Homo erectus,
der in der Nachfolge
des Homo habilis
steht, schien bisher
alles klar. Er galt
als der
Urahn des Menschen
schlechthin.
Knochenfunde in den
1980ern brachte
Theorie ins Spiel,
nach der
unterschiedlich
Typen des Homo
erectus existiert
haben sollen. Sie
wurden als neue
Gruppen
klassifiziert. Auch
diese Theorie wird
in der
wissenschaftlichen
Auseinandersetzung
angezweifelt. Es
gibt ohne Zweifel
noch eine Menge
Klärungsbedarf.
Forscher wie Tim
White sehen die
Problematik eher
darin immer neue
Gattungen
einzuführen und
plädieren für die
Rückkehr zu einem
"einfachen Homo
erectus-Konzept".
Grundsätzlich gibt
es in der aktuellen
Diskussion zwei
Modelle:
1. Das biologische
Modell
Anhänger dieses
Modells glauben,
dass der Homo
erectus sich nach
dem Auszug aus
Afrika auf den
Kontinenten
ausgebreitet und
viele Arten gebildet
hat. Durch die
großen Entfernungen
trat eine genetische
Entfremdung ein. Der
menschliche
Stammbaum weist
demnach viele
Verzweigungen auf.
So verblieb Homo
ergaster in
Afrika, Homo
antecessor
erreichte als erster
Erectus Europa,
gefolgt von Homo
heidelbergensis
vor 600 000 Jahren.
2. Das kulturelle
Modell
Wissenschaftler
gehen bei diesem
Modell davon aus,
dass der Mensch sich
ständig seiner
Umwelt angepasst hat
und sich dem
entsprechend im
Hinblick auf seine
Kulturtechniken
weiter entwickelt
hat. In einer langen
Abfolge
gegenseitiger
Wechselwirkungen
entstand ein Wesen
mit wachsendem
Hirnvolumen,
veränderter
Körperform und hohen
technischen
Fähigkeiten wie
Umgang mit Feuer,
Werkzeugen und Jagd.
Es gab lange Zeit
nur den Homo erectus
als einzige
Menschenart auf der
Erde, aufgeteilt in
verschiedene
regionale Typen.
Gerade das
kulturelle Modell
wird durch neue
Funde aus
Deutschland recht
wahrscheinlich.
Allein die
Vorstellung, dass
der Homo erectus
rund 1,8 Millionen
Jahre lang
steindumm, lallend
und den Faustkeil
schwingend
("kulturtragendes
Tier") die ganze
Erde überzogen hat,
ist irgendwie
lächerlich. Und dass
dann wie aus dem
Nichts mit dem
Auftreten des Cro
Magnon vor etwa 40
000 Jahren in Europa
plötzlich die Kultur
über die Menschheit
kam, ist ebenso
undenkbar.
Fest steht, dass man
dem Homo erectus,
der bereits vor 800
000 Jahren in
Kastilien
auftauchte, schon
Fähigkeiten
zugestehen muss, die
bisher allenfalls
dem Neandertaler
zugetraut wurden:
· -
Beherrschung des
Feuers
-
Vorstoß ins kalte
Europa nördlich der
Alpen
· -
Herstellung von
Fernwaffen wie
Speeren und Lanzen
· -
Verwendung von
Materialien wie
Holz, Bast, Binsen,
Tiersehnen
· -
Herstellung von
Bekleidung,
Lederbearbeitung
· -
Bau von Behausungen
wie Zelten
· -
Herstellung von
Kunstwerken
· -
aktive, planvolle
Jagd besonders auf
Großwild wie
Elefanten und
Nashörner
· -
Fleischfresser
Gerade die Jagd
bietet eine neue
Sichtweise auf den
Homo erectus. Hatte
man ihn bisher
hauptsächlich für
einen Pflanzen- und
Aasfresser gehalten,
so erstaunt nun,
dass er sich
ausgerechnet auf die
Großwildjagd
spezialisiert hatte.
Aber gerade Tiere
wie Nashörner und
Elefanten hatten
keine natürlichen
Feinde, sie
flüchteten daher
auch nicht, wenn so
ein kleiner Mensch
auftauchte. Großwild
bot bei Jagderfolg
eine Menge Fleisch
auf einen Schlag.
Und Fleisch brauchte
dieser
Menschentypus. Der
Homo erectus wurde
zum ausgesprochenen
Fleischfresser
("Raubtier Mensch").
Dies erklärt auch
sein Vordringen in
den Norden. Vor 400
000 Jahren
beherrschte er die
Natur so gut, dass
er auf seinen
Beutezügen in die
kalten Tundren und
Steppen vordringen
konnte, wo er das
begehrte Großwild
fand.
Der Verzehr von
Fleisch aber hatte
auch Auswirkungen
auf die Entwicklung
des Homo erectus.
Denn nur durch die
ständige Zufuhr von
tierischem Eiweiß -
so meinen Forscher -
konnte sich sein
wichtigstes
menschliches Organ,
das Gehirn, in
dieser Größe
entwickeln.
Wie auch immer, das
Model Homo erectus
bot die Vorlage für
zwei Nachfolger:
Homo
neanderthalensis
(der der Gattung
Homo sapiens
zuzuordnen ist)
und Homo
sapiens sapiens.
Beide mögen auch
eine Zeit lang
gleichzeitig gelebt
haben. Ob der
Neandertaler nun
ausgestorben ist
oder doch vielleicht
irgendwie im sapiens
verschwand, wer weiß
(siehe Kapitel
"Neandertaler")?
Übrig bleibt zuletzt
nur der Homo
sapiens sapiens.
Er ist heute der
einzig lebende Homo.
Alle Menschen dieser
Erde, ob hell oder
dunkel, ob klein
oder groß, ob
zivilisiert oder
Naturvolk, gehören
dieser Art an. Das
ist leider nicht
allen Menschen klar,
und oft genug
benehmen sie sich
auch nicht wie ein
Homo sapiens
sapiens.
Festzuhalten ist,
dass der Ursprung
der Hominidae
irgendwo in
Ostafrika zu suchen
ist. Alle
Australopithecinen
stammen aus Afrika.
Vermutungen, dass
auch Homo sapiens,
also der moderne
Mensch, aus Afrika
kommt, sind durch
neue Funde erhärtet
worden. Ein
internationales
Forscherteam um Tim
White hat in
Äthiopien, etwa 225
Kilometer
nordöstlich der
Hauptstadt Addis
Abeba, drei gut
erhaltene Schädel
mit allen typischen
Merkmalen der
Gattung gefunden,
deren Alter auf
160.000 Jahre
geschätzt wurde. Die
Forscher gaben den
Wesen die
Bezeichnung Homo
sapiens idaltu
(idaltu = der
Ältere, aus der
Sprache der Afar).
Die Gattung Homo
einschließlich der
Art Homo sapiens
muss sich also
angeschickt haben,
die Welt von Afrika
aus zu entdecken.
Mittels einer
Weltkarte, in die
alle Homo-Funde
datiert eingetragen
werden, kann man in
der Tat feststellen,
dass sich die
Ausbreitung quasi
ringförmig vollzog.
Je jünger die
Datierung der
Fossile, desto
weiter entfernt sich
Homo von Afrika.
Allerdings ist eine
Erkenntnis
erstaunlich: Auf
Grund weiträumiger
genetischer
Untersuchungen und
Vergleiche ist die
genetische Vielfalt
der Menschen zur
Verblüffung der
Wissenschaft viermal
geringer als die der
Schimpansen. Das
deutet darauf hin,
dass die Zahl der
Menschen durch
irgendein
einschneidendes
Ereignis in ihrer
Geschichte einmal
erheblich abgenommen
hat. Vor etwa
70.000-100.000
Jahren - so folgern
die Genetiker aus
ihren Untersuchungen
- muss die
Menschheit derart
dezimiert worden
sein, dass nur etwa
1.000-2.000
Exemplare der
Gattung Mensch
überlebten. War es
eine
Naturkatastrophe?
War es eine Seuche?
Man kann es an den
Genen nicht
erkennen. Aber alle
heutigen Menschen
dieser Erde tragen
den Genpool dieser
vergleichsweise
kleinen überlebenden
Gruppe in sich. Es
hätte gut sein
können - wäre Zahl
der menschlichen
Opfer nur wenig
höher gewesen -,
dass das Experiment
Menschheit damit
schon zu Ende
gewesen wäre.
|
|
|
Primatenentwicklung
top
|
Mill.
Jahre |
Primaten (Herrentiere) |
|
30 |
|
|
Aegypto-
pithecus
|
Affen |
|
Menschenähnliche
(Hominoidae)
(blau =
noch
lebende
Arten) |
Halbaffen
Neuwelt-
affen
Altwelt-
affen |
|
|
|
|
Menschenaffen |
|
|
20 |
|
|
|
|
|
|
Proconsul |
|
Hyloba-
tidae |
|
|
|
Dryopithecus |
|
Gibbons |
|
|
|
|
Rama-
pithecus |
|
|
|
|
|
Pongidae |
|
|
|
10 |
Menschenartige
(Hominidae) |
Orang-Utan |
|
|
|
|
?
Missing
Link
? |
|
|
|
|
7
6 |
Sahelanthropus
tchadensis |
"Millenium
Mensch"
Ardipith.
ramidus |
Gorillas
Schimpansen |
|
|
|
|
5
4 |
|
Austral.
afarensis |
|
|
|
|
|
3,2 |
|
"Lucy" |
|
|
|
|
|
2,5 |
? Homo ?
rudolfensis |
A.
aethiopicus
A.
africanus |
|
|
|
|
|
2 |
? Homo ?
habilis |
A.
robustus
A.
boisei |
|
|
|
|
|
1,5 |
?
Homo
ergaster/antecessor?
Homo
erectus
|
|
|
|
|
|
1 |
|
|
|
|
|
|
0,5 |
Homo
sapiens
Homo
sapiens
neanderthalensis
|
|
|
|
|
|
0 |
Cro
Magnon -
Homo
sapiens
sapiens |
|
|
|
|
|
|
|
|
Zeitleiste der
Hominidenevolution
top
|
Mill.
Jahre |
auf
Bäumen
lebender
affenähnlicher
Vorfahr |
|
|
|
|
7 |
auf dem
Boden
lebender
affenähnlicher
Vorfahr
("Missing
Link") |
|
6 |
Sahelanthropus
tchadensis
(ältester
Vormensch)
Orrorin
tugenensis
("Millennium
Man")
Ardipithecus
ramidus
kadabba |
|
5 |
Ardipithecus
ramidus
ramidus |
|
4
3,2 |
Australopithecus
anamensis
Australopithecus
afarensis
("Lucy") |
|
3 |
A.
africanus |
A.
aethiopicus |
|
|
|
2,5 |
Homo
rudolfensis |
A.
robustus |
A.
boisei |
|
2 |
Homo
habilis |
|
|
|
|
Homo
erectus
/ Homo
ergaster |
|
|
1
0,5 |
früher
Homo
sapiens,
Homo
sapiens
idaltu
Homo
sapiens
neanderthalensis
Cro
Magnon
(Homo
sapiens
sapiens)
|
|
0 |
Gegenwart
-
Jetztmensch |
Die Möglichkeiten
der menschlichen
Entwicklung waren
vielfältig. Es waren
im Grunde alle
Richtungen offen.
Deutlich wird das
gerade dadurch, dass
zeitweilig
verschiedene Arten
von Hominiden und
Homo nebeneinander
gelebt haben. Über
den Verbleib des
Neandertalers
besteht nach wie vor
wissenschaftliche
Uneinigkeit.
|
|
|
|
Aussehen der
Hominiden
top
Es gibt eine Reihe
von
Darstellungsversuchen
über das Aussehen
der Hominiden.
Tatsächlich sind
anhand der oftmals
spärlichen
Fossilienfunde
Aussagen über das
äußere
Erscheinungsbild
unserer Vorfahren
recht vage. Die
Angaben über
Größenverhältnisse
hingegen sind
gesichert, weil man
die Skelettmerkmale
analysieren kann.
Die Zunahme an
Körpergröße während
der menschlichen
Entwicklungsgeschichte
setzt sich auch
heute noch fort. Die
Menschen werden
immer größer.
|
Meter |
A.
afarensis |
A.
africanus |
A.
robustus |
Homo
habilis |
Homo
erectus |
Homo
sapiens |
|
2
|
 |
 |
 |
 |
 |
 |
|
1,5
|
|
1
|
|
0,5
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Afrika
top
Alle spektakulären
Funde, die Licht in
die Evolution der
Hominiden gebracht
haben, stammen aus
der unmittelbaren
Nähe des
ostafrikanischen
Grabensystems. Wie
bereits im Kapitel
"Geschichtsbuch
Erde" angedeutet
wurde, ist der
Zustand der
Schichtenlage
wichtig für das
Auffinden von
Fossilien. Gerade im
Rift-Valley hat sich
in den letzten
Jahrmillionen die
Stratigraphie
ungeheuer verändert.
Sie tut es noch, und
irgendwann einmal
wird Ostafrika
auseinander brechen.
Auch das
Erscheinungsbild
Afrikas war einem
ständigen Wandel
unterzogen. So nahm
der Regenwaldbestand
während der Eiszeit
dramatisch ab.
Allein dadurch waren
die baumbewohnenden
Vorfahren wohl
gezwungen, sich auf
ein Überleben in der
Steppe einzustellen.
Man kann eine Linie
ziehen vom
Afar-Dreieck in
Aethiopien über den
Turkana-See hin zur
Olduvai-Schlucht und
Laetoli und
schließlich bis nach
Südafrika. Auf
dieser Linie stand
mit großer
Wahrscheinlichkeit
die Wiege der
Menschheit.
|
|
|
|
In der
Olduvai-Schlucht
top
Vor zwei Millionen
Jahren war die
Olduvai-Gegend ein
großer See. Viele
Lebewesen waren an
seinen Ufern zu
finden. In der Folge
von Ablagerungen und
Vulkanausbrüchen
gelangten zunächst
Knochen - auch von
Hominiden - in den
Untergrund. Große
Erdverschiebungen
innerhalb der
letzten 500.000
Jahre und das
grabende Wasser
eines Stromes
veränderten die
Schichtung. Heute
gibt die hundert
Meter tiefe Schlucht
die fossilen
Überreste wieder
frei.
|
|
|
|
Afrikanische
Habitate
top
Die
Veränderungsprozesse
der afrikanischen
Umwelt haben die
Evolution der
menschlichen Linie
nachhaltig
beeinflusst. Ende
des Miozäns wichen
die tropischen
Regenwälder, die den
Kontinent einst
beherrschten,
allmählich den
Savannen und offenen
Waldungen. Im Laufe
der nächsten zehn
Millionen Jahre
zeigte das Anwachsen
der Polgletscher
Wirkung. Kühlere
Temperaturen und
geringere
Niederschläge
während der
Eiszeiten ließen die
Regenwälder zu
kleinen Inseln
schrumpfen, so dass
die in ihnen
lebenden Arten von
einander isoliert
waren. In den
wärmeren und
feuchteren Perioden
zwischen den
Gletschervorstößen
dehnten sich die
Regenwälder wieder
aus und brachten die
in der Isolierung
weiter entwickelten
Arten wieder
zusammen.
|
|
|
|
Entdeckungen 1924 -
1985
top
1924 - Kind von
Taung,
Australopithecus
africanus
1959 - Zinj,
Australopithecus
boisei
1972 - 1470,
Homo habilis
1974
-
Lucy,
Australopithecus
afarensis
1975
-
Die erste Familie,
Australopithecus
afarensis
1978
-
Fußabdrücke von Laetoli
1984
-
Junge, Homo
erectus
1985
-
Schwarzer Schädel,
Australopithecus
aethiopicus
|
|
|
|
Mensch =
Werkzeugmacher?
top
Die Frage, was nun
den Menschen
ausmacht, was ihm
eigentümlich ist,
woran er zu erkennen
ist, bewegt die
Forscher sehr. Die
Ansichten gehen
dabei sehr
auseinander. Ein
Menschenaffe ist und
bleibt ein Affe, ein
Affenmensch hingegen
ist ein Mensch, wie
immer er auch
aussehen mag. Aber
wo ist der
Schmelzpunkt, die
Verbindung dieser
beiden Wesen,
anzusetzen?
Lange Zeit war man
beispielsweise der
Ansicht, nur der
Mensch sei in der
Lage, Werkzeuge
herzustellen. Die
Wirklichkeit sieht
anders aus.
Werkzeuge benutzen
bereits Vögel, etwa
einen spitzen Dorn,
um eine Made aus
einer Baumvertiefung
herauszupicken.
Affen angeln mit
Stangen nach hoch
hängenden Früchten
oder suchen sich
passende Steine, um
Nüsse zu knacken.
Dennoch gibt es
Merkmale, die man
als dem Menschen
eigentümlich
bezeichnen kann. Im
wahren Sinn des
Wortes herausragend
ist der aufrechte
Gang. Ein Wesen,
das auf beiden
Beinen aufrecht
geht, ist menschlich
zu nennen. Denn es
muss zwangsläufig
anatomische
Eigenschaften
aufweisen, die uns
Jetztmenschen auch
noch auszeichnen.
Das Skelett eines
solchen Wesens muss
den aufrechten Gang
unterstützen.
Das beginnt bei der
Austrittsöffnung des
Nervenstranges aus
dem Hinterkopf. Bei
einem Lebewesen, das
sich auf allen
Vieren bewegt, wird
dieses Loch weit
hinten am Kopf zu
finden sein. Beim
aufrechten Gang aber
verlagert sich die
Öffnung nach unten.
Ein weiteres
entscheidendes
Merkmal für das
Aufrechtgehen ist
die Aufhängung der
Oberschenkelknochen
am Becken. Sie muss
so beschaffen sein,
dass der Schwerpunkt
des Wesens eine
stabile Lage
erreicht. Der Blick
auf das
nachgebildete
Skelett von "Lucy"
zeigt, dass alle
diese Merkmale zu
finden sind. Das
Becken selbst ist
dem unsrigen absolut
ähnlich. "Lucy"
hatte also die
Schwelle zum
Menschen bereits
überschritten.
Dies ist auch an
einem weiteren
wichtigen
Vergleichsmerkmal zu
belegen. Kiefer-
und Zahnvergleiche
zeigen anschaulich,
wie sehr sich Affen-
von Menschengebissen
unterscheiden und
wie nahe die
Australopithecinen
uns in dieser
Hinsicht kommen.
Selbst die hominiden
Schimpansen weisen
noch deutlich die
großen
Affen-Eckzähne auf,
die bei den
Australopithecinen
vollkommen
verschwinden,
während bei ihnen
große Backenzähne
(Molare) in
Erscheinung treten.
Ein anderes
menschliches Merkmal
ist das
Gehirnvolumen.
Mit zunehmender
Erkenntnis über das
Alter der Menschheit
machte sich auch
immer mehr die
Erkenntnis breit,
dass das Hirnvolumen
bei den ersten
Menschenähnlichen
womöglich geringer
war als man bisher
anzunehmen wagte.
Die Schwelle, bei
der Forscher heute
bereit sind zu
sagen, das ist
menschlich, liegt
bei etwa 700-800
qcm.
Alles in allem
drängt sich die
Erkenntnis auf, dass
die menschlichen
Vorfahren weit
primitiver waren als
angenommen. So ist
letztlich die oben
gestellt Frage eher
eine philosophische.
Wann erkannte der
Mensch sein
eigenes Ich,
wann stellte er sich
selbst in Raum und
Zeit? Die Antwort
darauf wird sich
kaum aus Fossilien
ableiten lassen.
Warum aber ging
"Lucy" aufrecht?
Denn diese Art zu
gehen ist ja recht
unkomfortabel, da
das Gleichgewicht
ständig ausgelotet
werden muss. Es
bedarf also schon
eines komplexen
Kausalitätszusammenhangs,
damit ein Wesen
seine Lebensweise
derart einschneidend
verändert.
Entsprechende
Theorien dazu
sollten
Interessierte bei
Donald Johanson
nachlesen, da sie
doch recht
kompliziert sind.
|
|
|
|
Schädelvergleich
top
Der Schädelvergleich
zeigt - angefangen
beim Schimpansen -
das stete Anwachsen
des Schädelvolumens,
wobei die
Stirnpartie im Laufe
der menschlichen
Evolution immer
steiler wird.
Besonders auffällig
sind die Merkmales
des
Neandertaler-Schädels:
Er hatte große
Augenwülste und ein
stark fliehendes
Kinn. Allerdings
hatte der
Neandertaler ein
geringfügig größeres
Hirnvolumen als der
moderne Mensch. Dies
zeigt, dass
Hirnvolumen nicht
unbedingt ein
entscheidender
Faktor beim
Überlebenskampf sein
muss.
|
 |
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Neandertaler |
moderner Mensch |
|
|
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Skelettvergleich
top
Ein Skelettvergleich
zwischen dem
modernen Menschen
und seinen Vorfahren
zeigt die
unmittelbare
Verwandtschaft. Bei
aus Fundstücken
zusammen gesetzten
Skeletten ergab sich
die erstaunliche
Tatsache, dass man
vom Australopithecus
afarensis mehr
Fossilien hat als
vom africanus oder
robustus und man
daher das ältere
Wesen, dessen
Überreste erst
später gefunden
wurden, viel besser
kennt.
|
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Knochenfragmente
von
"Lucy" |
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