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Ägypten - Stadt und Land

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Kairo und Umgebung   Luxor und Umgebung   Assuan und Umgebung

Kairo und Umgebung  

 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

 

Kairo   top

Kairo ist derzeit die drittgrößte Stadt der Welt, in deren Umfeld rund 20 Millionen Menschen leben. Dem Besucher bleiben die krassen Gegensätze kaum verborgen. So bietet die Gegend um den Airport gepflegtes Wohnen in großzügigen Arealen, diplomatische Vertretungen und breite Boulevards. Auch die neu erbaute Oper und das Museum für Moderne Kunst im Zentrum strahlen Reichtum und Prestigedenken aus. Auf den Nilbrücken lockt eine tolle Skyline zum Verweilen. Anders der Eindruck beim Gang durch die Viertel! Der Blick in die Hinterhöfe, die Fahrt durch Vororte, etwa nach Giseh zu den Pyramiden, offenbart ein anderes Ägypten. Müll, abgewrackte Häuser, aus dem Boden gestampfte Slums allenthalben. Der Mitteleuropäer traut oft seinen Augen nicht. Die Menschen hier ertragen diesen Zustand offenbar mit arabischer Gleichmut.

 

Ebenso ist es mit dem Verkehr in Kairo. Ein Fahrt mit dem Taxi hat eine ähnliche Wirkung wie die mit dem Autoscooter auf der Kirmes. Taxis scheinen überhaupt in der Mehrheit zu sein. Entsprechend billig sind die Fahrten. Für umgerechnet 5 DM kann man quer durch Kairo fahren, energisches Feilschen mit dem Fahrer vorausgesetzt.  Die öffentlichen Busse sind vollgestopft bis zum Bersten. Wenn fünf Hauptstraßen zu einer Kreuzung zusammen laufen, so fahren und gehen alle Verkehrsteilnehmer nach Belieben kreuz und quer. Zwar gibt es Ampeln, aber Rot  ist nur eine Farbe. An jeder Ecke stehen Verkehrspolizisten und gestikulieren und pfeifen, was das Zeug hält. Wen stört´s?

 

Auffällig ist in Kairo wie in ganz Ägypten die polizeiliche und militärische Präsenz, die nach den Attentaten der vergangenen Jahre die Sicherheit garantieren soll. Vor jedem Hotel, an jeder Straßenecke stehen Wachleute mit Maschinenpistole im Anschlag. Alle Sehenswürdigkeiten sind strikt abgeriegelt. Man kommt nur hinein durch Scanner und penible Personen- und Taschenkontrolle. Alles, was nach Waffen aussieht - auch das Obstmesser des Touristen - muss abgegeben werden. Jedenfalls fühlt man sich relativ sicher, obwohl es recht unangenehm ist, dauernd in Waffenmündungen zu starren. Die Wachen sind recht junge Männer - wohl auch eine Art Arbeitsbeschaffungsprogramm.

 

Im Basar   top

Das islamische Viertel in Kairo ist gleichzeitig auch der größte Basar des Landes. Hier gibt es ganze Gebiete, die fernab touristischer Blickwinkel liegen. Wer noch nie im arabischen Raum war, fühlt sich wie im Märchen, so vielfältig, neu und fremd sind die Eindrücke. Ein einheimischer Führer kann hier nur von Vorteil sein, weil man Vieles sonst kaum entdeckt. Gewürze, Tuch, Gemüse, Lebensmittel, Gebrauchsgegenstände, Möbel, hastende Menschen, gemächlich herumsitzende und Tee trinkende Männer, Tiere - alles zusammen zunächst ein chaotisches Gesamtbild, das sich jedoch auf geheimnisvolle Weise zu einem gut funktionierenden Ganzen zusammen fügt. Die wenigen Frauen, die im Basar unterwegs sind, sind mehr oder weniger stark verschleiert. Die Geschäfte im Basar werden von Männern betrieben. Viele Männer tragen das typische einteilige, bis zum Boden reichende Gewand. Zu den Gebetszeiten ertönt der Ruf von der nahen Moschee. Zur Verwunderung des Europäers bedient sich in diesem Fall der Islam modernster Technik, denn der Ruf wird im gesamten Viertel über Lautsprecher verstärkt, sodass ihn niemand auch im größten Trubel überhören kann.

 

Es ist über dreißig Grad im Schatten. Mit großem Staunen betrachtet man die Auslagen der Metzgereien im Basar. Ungekühlt liegen die Fleischstücke auf Tischen oder hängen von der Decke herab an großen Haken. Dicke Fliegen umschwirren das Stilleben. Kommt ein Kunde, dann wird traditionell lange gefeilscht. Schließlich schneidet der Metzger gemächlich ein Stück von dem schon gut vorgewärmten Fleisch ab und packt es in ein Stück Papier.

 

Transportiert werden die Waren des Basars mit allem, was Beine oder Räder hat. Menschen tragen riesige Gebinde auf ihren Köpfen. Auf Karren mit oder ohne vorgespanntem Esel, Pferd oder Muli werden abenteuerliche Lasten durch die engen Gassen laviert. Allerdings können diese gar nicht so eng sein, dass man nicht auch noch mit einem Lastwagen hinein fahren würde.

 

An jeder Ecke werden frische, noch dampfende Pfladenbrote zum Spottpreis angeboten. Direkt hinter dem Verkaufsstand ist auch die Bäckerei zu finden. Dort arbeiten zwei, drei Bäcker im Akkord unter primitiv anmutenden Bedingungen. Sie haben es jedenfalls in jeder Hinsicht warm in ihrer Backstube. Natürlich muss der Fotograf erst mal ein Bakschisch zahlen. Dafür bekommt er aber auch ein Fladenbrot gratis. Jetzt wird es Zeit, eine der zahlreichen Teestuben aufzusuchen und sich vom Ansturm der Eindrücke zu erholen.

 

Moschee   top

Obwohl die ägyptische Verfassung Staat und Kirche voneinander trennt, ist der Islam allgegenwärtig. Die Vielfalt gerade auch bedeutender Moscheen in Kairo sollte auch den Touristen zu einem Besuch veranlassen, zumal vom kulturell-künstlerischen Standpunkt. Die Besichtigung bereitet für Nicht-Moslems kein Problem, solange man sich bedeckt hält und – wie die Einheimischen auch – die Schuhe auszieht. Das ist übrigens allein schon deshalb sinnvoll, weil der Innenraum einer Moschee völlig mit Teppichboden ausgelegt ist. Vielleicht liegt es auch daran oder an der Art der Beleuchtung, dass Moscheen im Innern sehr warm wirken, im Gegensatz etwa zu unseren großen Domen.


Luxor und Umgebung  

 

 

Niloase   top

Mit dem Lauf der Sonne verändert die Niloase ständig ihr Angesicht. Blickt man früh am Morgen direkt nach Sonnenaufgang von den Hügeln in Luxor-West ins Niltal hinunter, so steht genau über dem Fluss ein feiner Nebel. Schnell steigt die Sonne dann am Firmament und entfaltet schon bald ihre ganze Kraft, die den Dunst auflöst. Vom Nil her schaut man über das schmale Band des grünen Gartens hinweg genau auf die eben erwähnten Hügel, die schon Wüste sind. Es wird anschaulich klar, wie sehr das Land vom Nil und durch den Nil lebt. Verschwindet am Abend die Sonne hinter dem Horizont, so entfaltet sich ein unglaubliches Farbenspiel in der kurzen Zeit bis zur endgültigen Dunkelheit. Wie Schemen gleiten die Feluken fast schwerelos auf dem Wasser dahin. Man bekommt ein Gefühl dafür, warum die alten Ägypter der Magie der Sonne huldigten, aber auch den Nil so sehr liebten.


Assuan und Umgebung  

 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

 

Der Nil   top 

Gegen Abend sind besonders viele Feluken unterwegs, weil der Wind dann auffrischt, während um die Mittagszeit fast immer Flaute herrscht. Abends legen auch die großen Hotelschiffe im Dutzend an der Uferpromenade an. Das Foto 1 wurde aus Richtung des berühmten "Old Cataract Hotel" aufgenommen, in dem Szenen zum Film  "Tod auf dem Nil" von Agatha Christie gedreht wurden. Foto 2 zeigt die Gegend des 1. Katarakts, jener Stromschnellen, an denen die alten Ägypter mit ihren Schiffen scheiterten. Auch heute noch bewegen sich Feluken kaum über diese Grenze hinaus.

 

Staudamm   top

Südlich von Assuan wurde 1898-1902 von den Engländern der erste Damm gebaut. 1912 und 1943 wurde er noch einmal auf insgesamt 51 m erhöht. Der neue Staudamm wurde 1971 fertig gestellt. Das gigantische Bauwerk, genannt Sadd el Ali (bei uns als Nasserdamm bekannt), wurde von deutschen Ingenieuren geplant, der damalige Präsident Nasser ließ es aber aus politischen Gründen von der Sowjetunion errichten. Die Basis des Dammes hat eine Breite von 980 m. Die Mauerkrone ist 111 m hoch, 40 m breit  und 3,6 Kilometer lang. Insgesamt wurde die siebzehnfache Masse der Cheopspyramide aufgeschüttet. Hier stauen sich nun die Wassermassen des Nassersees über eine Länge von 550 Kilometern, die im Juli und Oktober durch die Monsun-Regenfälle in Äthiopien verursacht werden und die früher den Wasserstand des Nils dramatisch hoben, was oftmals die gesamte Überschwemmung des Niltals zur Folge hatte. Nun wird dem Nil gleichmäßig übers Jahr verteilt Wasser zugeführt, was allerdings - ökologisch betrachtet - nicht nur positive Folgen hat.  Zusätzlich wurde am Fuße des Dammes ein riesiges Wasserkraftwerk installiert, das bei voller Turbinen-Leistung 10 000 MWh elektrischer Energie erzeugt.

 

Nubierdorf   top

Am Westufer von Assuan, hart am Rande der Wüste, liegt das Dorf der Nubier. 120 000 Nubier wurden durch den Bau des Hochdammes und die anschließende Überflutung aus ihrer Heimat vertrieben. Viele von ihnen leben im Gebiet von Assuan. In ihren Dörfern leben sie unter sich, wenngleich sie auf Touristen eingestellt sind, die regelmäßig auf der Suche nach Folklore durch diese Dörfer ziehen. Die Häuser sind eng aneinander gebaut, Baumaterial sind Lehmziegel, als Dach dienen oft nur Strohmatten. Die Bauten sind so gestaltet, dass der Sonnenschutz maximal ist. Viele Hütten sind in besonderer Weise bemalt. Der Blick in die Hinterhöfe offenbart große Armut. Wasser muss im Dorfzentrum vom Brunnen geholt werden. Unter einheimischer Führerschaft findet sich für Touristen in der Mittagshitze ein angenehm schattiger Platz in einer recht sauberen Umgebung und es wird ein einfaches, aber schmackhaftes Mal von den nubischen Frauen serviert.

 

Die Wüste   top

Gleich hinter dem Nubierdorf blickt man in pure Wüste. Einen ähnlichen Eindruck bekommt man über hunderte von Kilometern, wenn man von Assuan bis Abu Simbel per Auto fährt: nichts als Gegend. Solche Fahrten sind übrigens aus Sicherheitsgründen nur im Konvoi möglich. Alle Fahrzeuge sammeln sich morgens um 4 Uhr am Ortsausgang und dann geht es unter militärischen Geleitzug auf die Piste.

In vielen Oasen Ägyptens und am Rande großer Orte gibt es noch die traditionellen Kamelmärkte. Kamele sind eine echte Kapitalanlage für den Käufer. Umgerechnet 1500 Euro muss er mindestens für ein Tier aufbieten, eine unglaublich hohe Summe für den Einheimischen. So ist es nicht verwunderlich, dass in den touristischen Zentren überall Kamele bereitstehen und mit aller Energie vermarktet werden. Außerhalb der ausgesprochenen Wüstengebiete haben Kamele für den Transport keine Bedeutung. Entlang des Nils gehen alle Waren per Lastwagen, erstaunlicher Weise kaum über den Nil.

 

Pflanzeninsel   top

Von Assuan aus gesehen liegt zwischen der Insel Elephantine und dem Westufer die Pflanzeninsel, ursprünglich die Privatinsel von Lord Kitchener (Kitchener Island). Diesen Namen hört man allerdings wegen seiner kolonialen Vergangenheit nicht mehr gerne. Auf der Pflanzeninsel fühlt man sich plötzlich wie in einer anderen Welt, zumal wenn man zum Westufer hinüber direkt auf die karge Wüstenlandschaft schaut. Die tropische Botanik ist wunderschön und äußerst vielfältig. Allein die unterschiedlichen Palmenarten sind erstaunlich. Überall wird der Park bewässert und berieselt. Der Ort lädt unbedingt zum Verweilen und zum Picknik ein. Den Freitag als islamischen Feiertag sollte man meiden. Dann ist die Pflanzeninsel besetzt von einheimischen Familien.