Einführung
Ja, die guten alten Zeiten! Als
das Keyboard noch Orgel hieß und das Hirn des Organisten
noch frei war von marternden Begriffen wie Resynthese und
Sampling, PCM und AWM, FM und DWGS, MIDI und TIME CODE und
so weiter und so fort.
Das folgende Kapitel zu schreiben,
erscheint mir äußerst schwierig, einmal, weil ich selbst
kein Keyboarder bin, zum anderen, weil man die technischen
Fakten gar nicht so schnell darstellen kann wie sie
veralten. Der Markt der Tasteninstrumente ist wohl im
Vergleich zu den anderen Instrumenten der
undurchschaubarste. Das liegt unter anderem auch daran, dass
wir es hier nicht mehr nur mit den reinen Tasten zu tun
haben, sondern mit einem Gebirge von Peripheriegeräten
inklusive einer Fülle von Datennormen, die zudem von
Hersteller zu Hersteller variieren.
Die Entwicklung in der
Computerindustrie mit ihrer jeweils neuesten Chip-Generation
spiegelt sich in den Produkten der Musikelektronik. Hi-Tech
bei den Keyboardanlagen ist nunmehr nicht nur den
professionellen Musikern vorbehalten, sondern sogar der
Amateur ist heute auf Grund der günstigen Preise in der
Lage, sich ein aufwändiges Heimstudio einzurichten.
Home-Recording ist das angesagte Stichwort.
Der Bühnenmusiker andererseits kann
auf Grund dieser Technik mit seinem Keyboard ganze Orchester
allein ansteuern. Während unser Bandtraum früher darin
bestand, ein
Mellotron
(eigentlich nichts anderes als ein Riesentonbandgerät)
anzuschaffen, um originale Streich- oder Blasinstrumente
erklingen zu lassen, sind heute selbst in der allerkleinsten
Tastenkiste fette Bläsersätze und dicke Streicherteppiche
die reine Selbstverständlichkeit.
Ich möchte daher in diesem Kapitel
gar nicht erst versuchen, umfassend darzustellen oder gar
aktuell zu sein, sondern werde mich bemühen, neben einem
kleinen geschichtlichen Überblick und einigen
spieltechnischen Ansätzen lediglich allgemein gültige
Merkmale aufzuzeigen.
Die
Hammond-Orgel
top
Beileibe ist nicht alles, was Tasten
hat, ein Keyboard. Ich fände es beleidigend, ein so
würdevolles Instrument wie den Flügel als "Tastenbrett" zu
bezeichnen. Und auch ein Klavier bleibt ein Klavier, ebenso
ist eine Orgel immer eine Orgel.
Nein, zum Keyboard wurden die
Tasteninstrumente erst, als die Elektronik sich zu den
weißen und schwarzen Tasten gesellte, als die Tonerzeugung
künstlich wurde und die Töne dadurch erklingen konnten, dass
man das "Tastenbrett" an einen Extraverstärker anschloss.
Mit Keyboards sind also jene Tasteninstrumente gemeint, die
nicht aus sich selbst heraus Schallwellen erzeugen.
Angefangen hat das alles - bei
genauer Betrachtung - nun aber doch mit einer Orgel, nämlich
der Hammond-Orgel. Ihre Entwicklung beruhte nämlich
auf einer Reihe von Zufällen. Ihr Erfinder - der Amerikaner
Laurens Hammond - war ein allseitig interessierter
Tüftler, der Maschinenbau- und Elektrotechnik studiert
hatte. Bereits davor hatte er Patente angemeldet. Neben
seinem Studium verfasste er erfolgreich ein Drehbuch für
einen Film.
In einer Firma für Schiffsmotoren
angestellt, erfand er 1920 eine Uhr, deren lärmender Antrieb
durch ein Gehäuse abgedämpft wurde. Das Ding wurde ein
Erfolg, und Hammond machte sich als Erfinder selbstständig.
Über verschiedene Stationen ging es weiter mit ihm:
Entwicklung eines Gleichlaufmotors - Erfindung der
rot-grünen 3-D-Brille - Umwandlung des Wechselstroms in
Gleichstrom fürs Radio durch die so genannte A-Box - die
elektrische Uhr - 1928 Gründung der Hammond-Clock-Company.
Das Geschäft mit den elektrischen
Uhren lief aber nicht besonders und brachte die Firma bald
an den Rand des Bankrotts. Immer wieder beschäftigte Hammond
sich mit seinem Gleichlaufmotor und Überlegungen, wo der am
sinnvollsten einzusetzen sei. Etwa 1933 gingen seine Ideen
hin zu einer musikalischen Anwendung. Der
Tone-Wheel-Generator war geboren.
Darunter war ein kleines, auf einer
Motorwelle konzentrisch befestigtes Rad von der Größe eines
Zweimarkstückes zu verstehen. Das Rad war jedoch nicht glatt
am Rand, sondern sah aus wie ein Zahnrad. Dieses drehte sich
vor einem Elektromagneten.
Wer gut im Physikunterricht
aufgepasst hat, kann nachvollziehen, was dabei passierte.
Wie wir dort - hoffentlich - gelernt haben, erzeugt ein
stromdurchflossener Leiter ein Magnetfeld. Umgekehrt wird
auch ein Schuh daraus. Bewegt man einen Draht oder ein
Metallstück im Magnetfeld eines Dauermagneten, so wird ein
Strom erzeugt, der von der Bewegungsgeschwindigkeit und der
Entfernung des Metalls abhängt.
Hammond zog aus dieser Lehre den
Schluss, dass durch die Zacken des Radrandes das Magnetfeld
dauernd unterschiedlich beeinflusst wird, also ständig in
regelmäßigem Abstand der induzierte Strom zu- oder abnimmt.
Er wickelte um den Magneten einen Draht und konnte so den
induzierten Strom ableiten und verstärken. In einem Radio
konnte der verstärkte Strom über Lautsprecher hörbar gemacht
werden, weil die dauernde Stromänderung ein dauerndes
Auslenken der Lautsprecher-Membran erzeugt und somit
tonerzeugende Schallwellen entstehen. Hammond hatte durch
seine Experimente das Prinzip aller Musikinstrumente
erfasst, nach dem bestimmte Schwingungsmuster in Töne
umgewandelt werden. Nun war es ihm gelungen, dies unter
Einsatz elektrischer Energie darzustellen.
Allerdings war es ihm bis jetzt nur
möglich, einen einzelnen flötenähnlichen Ton zu erzeugen. Zu
einem komplexen musikalischen Klang bedurfte es noch vieler
Anstrengungen. Vielfältig und entnervend waren die Versuche,
bis Hammond ein altes Klavier kaufte und die Tastatur
benutzte. Unter jede Taste wurden elektrische Kontakte
angebracht, die mit Drähten an einer eigenen
Tonrad-Magnet-Kombination angeschlossen waren. Der sehr
genau drehende Gleichlaufmotor trieb über ein kompliziertes
Übersetzungsgetriebe 91 unterschiedlich große Tone-Wheels
mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten an, die in 91
Magneten Strom induzierten. Drückte man eine Taste, so
wurden dadurch eine Reihe von Schaltern betätigt, die den
jeweiligen Stromkreis schlossen, zusätzlich aber die
Möglichkeit eröffneten, zu jedem Ton füllende Obertöne über
die Zugriegel hinzuzumischen. Das alles wurde in ein Gehäuse
eingebaut, in das auch Verstärker und Lautsprecher
integriert waren. Zusammen wog das etwa drei bis vier
Zentner.
Damit war die Hammond-Orgel geboren.
Am 24. April 1934 wurde Hammond dafür in Washington das
Patent erteilt. Diese Kirchenorgel in der Kiste, wie man sie
nannte, wurde in der Folgezeit weltberühmt. Sie wurde als
vollwertiger Ersatz für die Pfeifenorgel angesehen.
Testpersonen hielten sie bei einem Hörvergleich für eine
solche. Das elektromagnetische Prinzip wurde bis 1967
durchgehalten. Dann ging die Hammond-Organ-Company dazu
über, Orgeln mit elektronischen Teilen zu bauen. Diese
hatten aber zunächst nicht mehr das Flair und auch nicht
mehr den so typischen Klang. Später wurde Hammond von der
japanischen Firma Suzuki übernommen. Die Erzeugung
von digitalen Klängen machte bei Hammond-Suzuki den Bau der
Hammond XB-3
möglich; sie ist optisch ein Nachbau der B-3 und kostet rund
10 000 Euro. Technisch aber ist sie ein voll digitales
Instrument. Der alte Hammond-Klang wurde sorgfältig
nachgebildet. Kritiker meinen, dass die Orgel so klingt, wie
eine Hammond eben klingen sollte.
Natürlich wurde die Hammond seit
1934 immer wieder verbessert und erweitert. 32 Zugriegel,
etliche Preset-Tasten, die legendäre Hammond-Hallspirale und
der Röhrenverstärker machten sie zu dem Tasteninstrument
schlechthin. Verschiedene Modellreihen für unterschiedliche
Anforderungen wurden aufgelegt. Modelle wie die A-100
oder B-3 waren und sind gerade in Rockmusikerkreisen
heute noch angesagt, obwohl es sie nur noch gebraucht gibt
und sie immer noch teuer sind. In einer meiner eigenen
Gruppen hatten wir eine E-100, ein zweimanualiges
Modell mit Vollpedal. Wenn ich mich an den Transport dieses
Gerätes erinnere, wird mir jetzt noch flau.
Was macht denn eigentlich den
Hammond-Klang so erstrebenswert, dass jeder Soundbastler
heute bestrebt ist, ihn in seinem Synthesizer oder seinem
Expander oder Sampler möglichst originalgetreu nachzubilden?
Nun, da ist erst mal der Sinusklang, die reine Wellenform,
die durch die Generatordrehung erzeugt wird. Die dazu über
die Zugriegel hinzugemischten Obertöne bleiben harmonisch,
da sie in einem bestimmten Zahlenverhältnis zum Grundton
stehen.
Ein weiteres wichtiges Element des
Hammond-Klanges ist der so genannte Klick, also das
elektrische Knacken der Tastenkontakte. Man möchte meinen,
das ist eher ein Schönheitsfehler, aber gerade dieser Klick
macht den Ton so lebendig, dass er in modernen Keyboards
künstlich erzeugt wird.
Weiterhin gehört zur Hammond der
Röhrensound mit dem sahnigen bis rauen Überzerren des
Klanges, je nach Lautstärke. Erst dadurch geht bei so
mancher Rock-Band der 60er und 70er die Post ab.
Leslie-Rotations-Lautsprecher
top
Nicht zuletzt aber muss man ein
Zusatzgerät nennen, das jeder Hammond-Spieler unbedingt
neben seiner "Kistenorgel" stehen hat: eine weitere Kiste
namens "Leslie".
Der Amerikaner Donald
James Leslie (*
1911;
† 2.
September
2004)
entwickelte und produzierte
das nach ihm benannte
Leslie
Lautsprecher-Kabinett
(auch: „Rotary Speaker“),
das den Klang der
Hammondorgel
erweiterte und in der
Popularmusik
etablierte.
Leslie experimentierte schon
früh mit zusätzlichen
Geräten und Lautsprechern,
um den nahezu sinusförmigen
Klang der Hammondorgel zu
verbessern. Er verfügte über
Erfahrungen als
Elektroniker, die er in
früheren Jobs sammeln
konnte. Unter anderem
arbeitete er in einer
Reparaturwerkstatt für
Radios und im
Naval
Research Laboratory
in
Washington, D.C.
während des
Zweiten Weltkriegs.
Als Leslie dem
Orgelhersteller „Hammond“
1940 seinen handgefertigten
Orgellautsprecher
vorstellte, wies die Firma
ihn zurück. Daraufhin
entschied sich Leslie, die
Lautsprecher in seiner
eigenen Firma Electro Music,
Pasadena selbst zu fertigen.
Der Leslie-Lautsprecher
erlebte seinen kommerziellen
Durchbruch durch die
Verwendung in der
Pop-
und Rockmusik der
1960er
und
1970er. Erst in den
1980er Jahren wurden Leslies
Produkte offiziell von
„Hammond“ unterstützt. Heute
baut die Nachfolgefirma
„Hammond Suzuki USA“ selbst
Rotor-Lautsprecher mit dem
Markennamen „Leslie“.
Unabhängig von
diesen Marketingproblemen wurden von
findigen Musikern und Technikern beide
Systeme seit den
1960er-Jahren miteinander kombiniert
und prägen seit dem den Sound der
Hammondorgel entscheidend mit.
Der
ursprüngliche Name des Leslie-Lautsprechers
war „Vibratone“, er wurde aber auch
„Brittain Lautsprecher“ genannt: 1941 begann
Leslie eine Teilhaberschaft mit einem Lou
Brittain, diese wurde nach dem Krieg wieder
aufgelöst. Leslies waren auch als „Hollywood
Lautsprecher“ (sie wurden in Kalifornien
nahe Hollywood
gebaut) und „Crawford Lautsprecher“
(Organist Jesse Crawford war der erste
Leslie-Verkäufer im New York-Bereich)
bekannt. 1946 wurde der Name wieder in
„Leslie Vibratone“ geändert, um das
Durcheinander zu beenden. Die meisten Leute
nannten sie einfach „Leslie“ und 1949
ließ Leslie den Namen „Vibratone“ fallen.
Das
Leslie-Kabinett
ist eine ganz besondere Sache. Es enthält zwei Verstärker.
Der eine treibt ein Hochtonhorn an, das oben im Gehäuse
sitzt, der andere steuert einen Basslautsprecher unten im
Kasten.
Der Clou an der Sache ist, dass das
Hochtonhorn - durch einen Motor angetrieben - rotiert, während
ein weiterer Motor eine Trommel um den Basslautsprecher
drehen lässt. An der Orgel neben dem Manual kann man mit
einem Schalter die Motoren in drei Bereichen steuern:
Stillstand - langsames Drehen - schnelles Drehen. Bei
langsamer Umdrehung entsteht durch das rundum abstrahlende
Leslie ein raumfüllender chorusähnlicher Orgelklang, bei
schneller Umdrehung ein ebensolcher Vibratoeffekt. Es
versteht sich von selbst, dass der Leslie-Effekt heutzutage
hervorragend von digitalen Effektprozessoren nachgebildet
werden kann. Man findet ihn in der Regel unter dem Menüpunkt
"Rotary".
Dennoch sind viele Organisten nach
wie vor der Meinung, dass nur eine "echte Hammond" (die
elektromagnetische) in Kombination mit einem "echten Leslie"
den wahren Sound erzeugen kann. Das Transportproblem lösen
dann die Roadies.
Monophone Synthesizer
top
Wie ging es nun nach dem
durchschlagenden Erfolg der Hammond weiter auf dem Weg hin
zum modernen Keyboard? Im Zuge der elektronischen
Entwicklung fand man bald heraus, dass Wellenformen auch auf
rein schaltungstechnischem Weg zu erreichen waren ohne den
Aufwand des Tonwellen-Generators. Wenn also für jeden zu
erzeugenden Ton eine entsprechende Schaltung zur Verfügung
stand, konnte man den gesamten Bereich der Klaviertastatur
abdecken. Allerdings nahm ein solches Konzept und die zu
Beginn dazu gehörenden Röhrenschaltungen sehr viel
Raum ein. Die ersten Geräte, die künstliche Klänge erzeugen
konnten - die ersten Synthesizer - waren deshalb
raumfüllende Monster, die allenfalls für Institute, aber
kaum für Musiker geeignet waren.
Erst die Entwicklung des
Transistors und die damit verbundene
Transistorschaltung reduzierten das Ganze auf ein
erträgliches Maß. So kamen dann in den 50er und 60er Jahren
verschiedene Transistororgeln auf den Markt, die alle
irgendwie einen Orgelklang und seine Abarten zu imitieren
suchten. Auch Zusatzinstrumente gab es, die durch ihre
spezielle Klangfilterung wie Streichorchester klangen und
auch so hießen.
Diese Instrumente arbeiteten fast
ausnahmslos mit einer Frequenzteiler-Schaltung. Für
die Töne der höchsten Oktave waren die entsprechenden
elektronischen Schaltungen (Master-Oszillatoren) vorhanden.
Die Signale der darunter liegenden Oktaven wurden davon mit
Hilfe der Frequenzteilung abgeleitet. Das ist technisch
nicht schwer. Der Kammerton A hat bekanntlich eine
Frequenz von 440 Hz. Der Oktavton A darunter ist
demnach auf 220 Hz zu bringen.
Der Klang von Orgeln jener Zeit war
aber keineswegs berauschend, da die Schaltungen und
Filtermöglichkeiten noch recht bescheiden waren. So gingen
die Entwickler daran, auf Grund dieser Erfahrungen auch
transportable Synthesizer zu bauen, also Geräte mit
umfassenden Filterungen, mit denen man in der Lage war,
Klangspektren nachzubilden oder gar völlig neu zu formen.
Jede
Firma schlug ihren eigenen Weg ein. Aber ein Synthesizer der
sich langsam herausbildenden Generation ragte aus der Menge
hervor und wurde zur Legende: der
Minimoog. In ihm waren
all die Erfahrungen eingeflossen, die sein Entwickler
Bob Moog schon Jahre
zuvor mit seinen Riesensynthies in
Modulbauweise
gesammelt hatte. Der Minimoog wurde 1970 auf den Markt
gebracht, war absolut klein und transportabel, und er hatte
den Sound, der einen damals umhaute. So dick und fett und
variabel war bisher noch kein Synthesizer mit seinen Klängen
dahergekommen. Dieser unverkennbare Klang ergab sich aus der
Tatsache, dass gleich drei Oszillatoren im Mini wohnten, die
Rechteck- und Sägezahnwellen erzeugten. Es konnten also
gleich drei Quellen zur Formung des Sounds verwendet werden.
Diese konnten auch noch verschiedene Filter- und
Modulationsstufen durchlaufen.
Auch die Bedienungsfreundlichkeit
des Minimoog war sprichwörtlich. Es war ein analoger
Synthesizer. Das bedeutet, dass der Klang durch das
Durchlaufen der Wellenformen durch die elektronischen
Schaltungen und Filter entsteht. Zur Bedienung dieser
Schaltungen stehen dem Musiker Schalter und Knöpfe
zur Verfügung, deren Zustand er direkt überblicken kann.
Einen analogen Synthesizer erkennt man also daran
(vereinfachend ausgedrückt), dass man sieht, was man tut.
Die wesentlichen Bauelemente analoger Synthesizer sind
VCO (Voltage Controlled Oscillator =
spannungsgesteuerter Oszillator), VCF (Voftage
Controlled Filter = spannungsgesteuerter Filter), VCA
(Voltage Controlled Amplifier = spannungsgesteuerter
Verstärker) und LFO (Low Frequency Oscillator). Die
Größenanordnung der Steuerspannung nimmt also immer Einfluss
auf die Klangformung. Je mehr Oszillatoren ein Synthesizer
hat, desto voller und fetter ist der Klang, siehe Minimoog.
Wellenformen, die mit
Oszillatoren erzeugt werden können:
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Dreieck |
Sägezahn |
Rechteck/Puls |
Sinus |
Random |
So konnte der Musiker locker am
Minimoog herumschalten und -drehen und das Ergebnis seines
Tuns sofort am Klang messen. Es gibt kaum einen Synthesizer,
der so tolle Bläser- oder Basssounds hervorbringt wie der
Minimoog - auch heute noch, aber auch beim Erfinden von
Klängen ist er super. In vielen modernen Sample-Keyboards
findet man genau jene Sounds wieder: "Moog Bass" heißt es da
oft. Auf den Platten von Emerson, Lake & Palmer wurde
dem Minimoog ein Denkmal gesetzt. Viele der Emerson-Sounds
übrigens wurden dem Minimoog vom Hersteller als
Einstellungsvorschlag per Stylesheet beigegeben.
Einen Nachteil hatte der Minimoog
unbestritten: er war nur monophon. Man konnte auf der
Tastatur nur jeweils einen einzelnen Ton anschlagen. So war
der Minimoog daher immer nur ein Synthesizer für das
Solospiel.
Zum Schluss die Nachricht für alle
Minimoog-Trauernden: Es gibt ihn wieder! Als Moog Voyager PSE erfuhr
er ein komplettes Redesign, ist aber
weiterhin ein monophoner analoger Synthesizer. Er enthält alle wesentlichen
Klangeigenschaften und Funktionen des originalen ”Model D” Minimoogs. Einige
zusätzliche moderne Features wurden ihm aber spendiert, inklusive einer
multidimensionalen Touchpad-Einheit, einer MIDI Schnittstelle mit MIDI
IN, MIDI OUT und MIDI THRU sowie umfassenden Verknüpfungsmöglichkeiten.

| Die Abbildung des Modul-Moog
erfolgt mit freundlicher Genehmigung von Kevin Lightner. Leider
hat er seine Seite
www.synthfool.com wegen Diebstahls
von Inhalten geschlossen. |
Polyphone
Synthesizer
top
Der Fortschritt bei den Keyboards
war nicht mehr aufzuhalten. Sicher ist sein Verlauf mit der
ebenso rasanten Entwicklung im Computerlager zu sehen.
Integrierte Schaltkreise (ICs) benötigten immer weniger
Raum. Der Trend ging in Richtung Polyphonie (=
Vielstimmigkeit), die Möglichkeit, auf dem Synthesizer wie
auf der Orgel mehrere Stimmen gleichzeitig erklingen zu
lassen. Auch hier war es Moog, dem die
Vorreiterstellung zukam. Mit seinem Polymoog, der
1976 herauskam, erfüllte er die Wünsche vieler Musiker, mit
den Synthiesounds auch breite Klangteppiche legen zu können.
Kurz darauf folgten auch andere
Hersteller mit polyphonen Synthesizern, etwa Sequential
mit dem legendären Prophet V, Korg mit dem
PS 3100 oder Yamaha mit dem CS 80.
Allerdings hieß polyphon durchaus nicht, dass man alle
Tasten gleichzeitig erklingen lassen konnte. Der Prophet war
lediglich fünfstimmig polyphon, der CS 80 achtstimmig. Nur
die Korg-Modelle und der Polymoog waren vollpolyphon,
beim Korg gab's damals 48, bei Moog gar 71 Stimmen. Nun kann
man einwenden, dass man so viele Finger doch gar nicht
gleichzeitig zur Verfügung hat. Aber es könnte doch mal
sein, dass man eine Soundeinstellung hat, bei der
vorausgehende Töne gehalten werden sollen. Das ist aber nur
bei voller Polyphonie möglich, beim Prophet würden beim
Halten von mehr als fünf Tönen dann die neu angeschlagenen
erklingen.
 |
|
Korg PS3100 |
Nun hat man dem Polymoog
vorgeworfen, dass er gar kein richtiger Synthesizer war,
weil er mit der Frequenzteller-Schaltung arbeitet. Er besaß
nämlich nur 12x2 Master-Oszillatoren in der untersten
Oktave. Aber man überlege mal, welch technischer Aufwand
nötig gewesen wäre bei 7-12 Oszillatoren. Allerdings hatte
die Polymoog-Schaltung noch andere Feinheiten, etwa einen
speziell entwickelten Chip mit Mehrfachfunktion, so dass im
Endeffekt sicher das Argument der Moog-Ingenieure richtig
ist, es komme schließlich nicht darauf an, wie man einen Ton
erzeuge, sondern was der Musiker höre. Und das war
überzeugend. Allerdings war der Klang eines einzelnen
Polymoog-Tones nicht ganz so fett wie beim Minimoog, aber
der hatte eben auch drei Oszis.
In der Zeit des Polymoogs entstand auch der
erste rein digitale Synthesizer. Das war der RMI Keyboard
Computer KCII, den man 1977 bei uns für schlappe 20.000 DM erwerben
konnte. Kein Wunder, dass das Ding nur ein Geheimtipp für
Großkapitalisten blieb. Der Name des Gerätes gibt schon den Hinweis auf
den Unterschied zwischen analoger und digitaler Klangerzeugung. All die
Filter und Schaltkreise des analogen Gerätes fehlen beim digitalen
Synthesizer. Bei ihm werden rechnerisch ermittelte Grundwellenformen
gespeichert. Aus diesen können neue Wellenformen und Lautstärkeverläufe
errechnet werden. Es geschieht alles genau wie in einem Computer.
Und noch ein weiterer Unterschied:
Während die analogen Synthies ihre Klänge durch
subtraktive Synthese erreichen, sind digitale
Synthesizer in der Lage, Sounds durch additive Synthese
zu erzeugen. Subtraktiv heißt, dass aus
Grundwellenformen durch Herausfiltern neue Klänge
entstehen. Beim additiven Verfahren werden
durch Zusammenfügen von Basiswellenformen neue
entwickelt. In dieser Hinsicht stand der RMI allein auf
weiter Flur.
Digitale Synthesizer
top
Bis etwa 1984 noch beherrschten die analogen Synthesizer in allen Variationen den Markt. In diesen allerdings hatten die japanischen Hersteller sich förmlich hineingeboomt und boten fast monatlich neue erweiterte Modelle zu erstaunlich niedrigen Preisen an. Etablierte Firmen wie Moog und Sequential konnten da nicht mithalten oder hatten die Entwicklung verschlafen. Zum Bedauern vieler Musiker verschwanden sie in der Versenkung.
Eine neue Synthesizer-Aera brach an. Die digitalen Geräte waren auf dem Vormarsch. Trotz der auch heute noch anerkannten Stärken der analogen Synthesizer bescherten sie den Musikern neue Klangwelten, angefangen beim
DX 7 von Yamaha. Insbesondere bestachen die neuen Synthies durch die glasklaren und transparenten Sounds im Bereich der percussiven Klänge, etwa bei Klavier- oder Glockennachbildungen. Auch die neue Art der Klangherstellung durch die Frequenzmodulation (FM-Synthese) ließ viele Keyboarder nächtelang nicht schlafen.
Die digitale Ebene der neuen Keyboards brachte einige Vorteile: die Sounds konnten abgespeichert oder eingeladen werden. Außerdem war es durch eine neue Norm (siehe Midi) nunmehr möglich, Keyboards auch verschiedener Gerätehersteller miteinander zu verkoppeln oder sie per Computer anzusteuern. Das kurbelte wiederum den Software-Markt gewaltig an. Lade-, Bearbeitungs- und Sequenzerprogramme waren plötzlich erhältlich, zunächst für den C-64 von Commodore. Bald aber wurde hier in Deutschland der Atari ST zum führenden Steuercomputer für die Keyboard-Software.
Und es bleib nicht bei den Keyboards. Rund um die Tasten türmten sich immer mehr ergänzende Geräte auf. Expander erweiterten das Klangangebot des Keyboards um Hundertschaften. Ein Expander ist ein Synthesizer ohne Tastatur, der von einem anderen MIDI-Keyboard via MIDI angesteuert werden kann. Spezielle Masterkeyboards wurden entwickelt, die keine eigene Klangerzeugung besaßen, sondern ausgefeilte Möglichkeiten zur Ansteuerung von Expandern boten. Drumcomputer brachten einem den nachbarfreundlichen Trommler ins Haus.
Die Übersicht über die Entstehung der Klänge war allerdings auf diesen digitalen Anlagen schwer zu gewinnen. Clevere Sound-Profis nutzten das aus und boten komplette Soundpakete auf Diskette oder Eprom zum Kauf an. Nachteil dabei war, dass nun bald alle DX-7-Spieler die gleichen Klänge benutzten, so dass man irgendwann genug davon hatte.
Auch setzten sich immer häufiger Expander durch, die reine Preset-Geräte waren, d.h. in ihnen konnte man keine Klänge erstellen oder bearbeiten, sondern nur fertige Klänge abrufen. Beim sensationell günstigen FB-01 von Yamaha standen fünf Soundbänke mit je 48 Sounds zur Verfügung. Der
Oberheim Matrix 1000 kam gleich mit 1000 Klängen daher. In der persönlichen Praxis habe ich festgestellt, dass diese Vielfalt so doll gar nicht ist, weil man am Ende doch nur die Hand voll Sounds verwendet, die einem gut ins eigene Konzept passen.
Wer nun glaubt, dass damit die Keyboardentwicklung zu einem Ende gekommen ist, täuscht sich. Es geht weiter. Die letzten Jahre haben uns die Sampler beschert. Sampler sind digitale Geräte, die in der Lage sind, beliebige Klänge aufzunehmen und zu speichern. Die Aufnahme geschieht aber nicht wie beim Tonband, sondern wiederum digital. Das Schallereignis kann mit einem Mikrofon oder einer anderen beliebigen Schallquelle aufgefangen und im Sampler zu einer computergerechten Information gewandelt werden. Anschließend kann man mit einem Keyboard diese Information aus dem Speicherchip des Samplers abrufen, das digitale Ereignis wird wieder gewandelt und über einen Verstärker hörbar gemacht. Es passiert in einem Sampler genau das, was uns mittlerweile durch CD oder CD-Brenner bekannt ist.
So ist es also möglich, in das Sampler-Mikrofon heftig hinein zu husten, es abzuspeichern und anschließend auf dem Keyboard in allen Oktaven zu spielen. Die Klangqualität hängt dabei von der Speichergröße und dem Auflösevermögen (sampling rate) des Samplers ab. Die Firma Akai, ursprünglich ein HiFi-Hersteller, brachte ca. 1985 mit dem SG12 den ersten erschwinglichen und leistungsfähigen Sampler heraus. Auch Ensonique machte sich einen Namen.
Innerhalb weniger Jahre sind erstaunliche Sampler auf den Markt gekommen, die hauptsächlich für Natursounds eingesetzt werden. Dies ist auf die immer ausgedehntere Speicherfähigkeit neuerer Computerchips zurückzuführen. Es ist kein Problem, mit einem Sampler ganze Orchester zu ersetzen. Vielfach geschieht das in der Plattenindustrie auch. Allerdings wird dort mit den Computersystemen Fairlight oder Synclavier gearbeitet, die beide sündhaft teuer sind.
 |
| Fairlight III |
Im Zuge der erweiterten Software fürs Recording ist es allerdings inzwischen auch möglich, das ganze Sampling-Verfahren über geeignete Programme laufen zu lassen. Es gibt sowohl Software als reine Sample-Player, als auch für das eigene Aufnehmen und Bearbeiten von Samples.
Wiedergeburt
top
Die Digitalisierung der
Keyboards hat neuerdings zu ganz verblüffenden Ergebnissen
geführt. An anderer Stelle habe ich erwähnt, dass die
Hammond B3 in digitaler Form wiederbelebt wurde. Genau so
ist es mit einem ähnlich legendären Instrument der 1960er
und 1970er Jahre, dem Mellotron. Die Berliner Firma
Manikin-Electronic hat das Mellotron digitalisiert. Es heißt
nun Memotron.

Memotron
Vom Aussehen her ist es dem
Original sehr gut nachempfunden, nur ist es platt wie eine
Flunder und eignet sich daher hervorragend als
Keyboardaufsatz für den Prog-Rock/Klassik-Rock-Keyboarder.
Eine
umfangreiche Sound-Bibliothek mit hochwertigen Samples von
originalen Instrumenten aus jenen Jahren lässt die
legendären Sounds von Pink Floyd, den Beatles, Procol Harum,
Genesis, aber auch Klaus Schulze und Tangerine Dream erleben.
Die Sounds können von CD geladen, individuell
zusammengestellt und auf Compact Flash Karte gespeichert
werden. Die Vintage Collection enthält die unveränderten
Mellotron-Sounds, die naturgemäß auch entsprechend leierig
und Low Fi klingen. Die Studio Collection wartet mit Samples
höchster Qualität auf. Das ganze hat natürlich seinen Preis.
Für ein solch exotisches Instrument muss man knapp 2000 Euro
hinblättern. Das ist allerdings - verglichen mit dem
Original, das übrigens als Mellotron Mark V aktuell auch
wieder auf dem Markt ist - ein Schnäppchenpreis. Ob man´s
braucht, muss jeder für sich entscheiden. Schließlich bieten
moderne Keyboards heute schon alle Sounds, die man sich
überhaupt denken kann.